145 Jahre Freiwillige Feuerwehr in Bürgel

Am 08.11.2017 wurde die Dokumentation der Unterlagen zum Brandschutz- und Feuerwehrwesen im Rathaussaal Bürgel mit einem Vortrag von Bernd Greibich übergeben, der den fleißigen Helfern dankte und in den nächsten Jahren eine zusammenfassende Feuerwehrchronik erstellen wird.

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Wie die Technik Einzug hielt bei der Feuerwehr Bürgel - eine Chronik

Arbeit an der Bürgeler Feuerwehrchronik geht voran: Die gesammelten Erkenntnisse sollen in Festvortrag und Buch vorgestellt werden

Bürgel. Ein ganzes Regal voller weißer Ordner hat sich angesammelt im Feuerwehrgeräte haus. Nun hat die Freiwillige Feuerwehr in Bürgel die wahrscheinlich umfänglichste Dokumentation im ganzen Saale-Holzland-Kreis – von der Gründung im Jahr 1874 bis heute, wie Heimatforscher Bernd Greibich sagt. Er hat zusammen mit Helfern aufgearbeitet, was an Bildern, Urkunden und sonstigen Dokumenten bei den Wehren in und um Bürgel selbst, in den Verwaltungen und in Archiven in- und außerhalb des Freistaates Thüringen zu finden war.

Viermal sei Bürgel im Verlauf seiner Geschichte wenigstens niedergebrannt, berichtet Greibich: 1511, 1641, 1682 und 1754. Im Jahr 1682 sei „Verwahrlosung eines Weibes beim Backen“ Ursache gewesen, weiß er aus historischen Unterlagen zu berichten. Die Folge: Die Kirche und eine dreistellige Zahl von Gebäuden seien damals verbrannt, große Teile der Stadt mussten neu aufgebaut werden. Zumal damals noch ohne moderne Technik gearbeitet werden musste: Dereinst mussten Feuer praktisch mit Wasser aus Eimern gelöscht werden, später kamen immerhin Spritzen hinzu, die man in Wasserfässern aufziehen konnte, wie es heute manchmal noch bei medizinischen Spritzen zu sehen ist. Ein solches Instrument findet sich zudem im Archiv der Feuerwehr, wo Stadtbrandinspektor Matthias Drafehn seit 1986 noch weitere historische Zeugnisse bewahrt hat. Eine alte Atemschutzmaske aus Leder gehört ebenfalls dazu, die mit einer Art Blasebalg von außerhalb mit Frischluft versorgt wurde und Feuerwehrleuten ermöglichte, in verrauchter Umgebung zu operieren.

1774 wurden flächendeckend Löschspritzen für das ganze Land angeschafft. Motorbetriebene Technik bekam die Feuerwehr in Bürgel erst 1924. „Wir wollten so weit wie möglich zurückblicken“, sagt Greibich. Mit Hilfe von Rudolf Wolfram, Doris Planer und Dörte Hansen konnte er auf digitale Archivdaten zugreifen und auch manche schwer leserliche Handschrift entziffern und nutzbar machen. So konnte etwa eine lange Brandpredigt aus dem Jahr 1754 ausfindig gemacht werden. Greibich erinnert zudem daran, dass während des 2. Weltkriegs minderjährige Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr manche Privilegien von Volljährigen erhalten hätten – „etwa beim Gang ins Kino“. Das sei wohl ein Lockmittel gewesen. Die Arbeit geht zurück auf den Auftrag des Feuerwehrvereins aus dem Jahr 2015: Ziel war, die von Matthias Drafehn gesicherten Unterlagen zu vervollständigen und aufzuarbeiten. In Bürgel und etlichen Ortsteilen hat man nach Unterlagen gesucht – manches habe kurz vor der Entsorgung gestanden. Die gesammelten Erkenntnisse sollen nun für einen Festvortrag und eine Chronik in Buchform bis zum 145. Geburtstag der Feuerwehr genutzt werden.

Florian Girwert / 09.12.17 / OTZ Eisenberg



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