Keramik-Museum Bürgel

Im einzigen Keramik-Museum Thüringens ist die Geschichte des Töpferhandwerkes in Bürgel von seinen (nachweisbaren) Anfängen Mitte des 17. Jahrhunderts bis zur Gegenwart dokumentiert. Seit Mai 2003 befindet sich die umfangreiche Sammlung im sanierten, denkmalgeschützten »Alten Schulhaus« aus dem 18. Jahrhundert. Im Jahre 1660 gründeten fünf Töpfer eine Innung und wachten fortan über Produktion, Handel und Ausbildung. Spezialität der Bürgeler war in dieser Zeit neben einfacher Irdenware das sehr hoch gebrannte Steinzeug mit der so genannten »Blauen Schürze«.

Jedes erdenkliche, im Haushalt des vorindustriellen Zeitalters tagtäglich benötigte Gefäß wurde aus Ton hergestellt und in einem Umkreis von mehr als hundert Kilometern verkauft. Das Keramik-Museum zeigt mit Kuchenformen, Futternäpfen, Krügen, Kannen, Schüsseln, Tellern, Tassen, Reibetöpfen, aber auch Apothekergefäßen und übergroßen Vorratsbehältnissen eine eindrucksvolle Auswahl. Mit dem Durchsetzen neuer Materialien für Haushalt und Küche, wie Porzellan, Steingut, Gußeisen, Aluminium u. a. kam es zu einem massiven Einbruch des Absatzes. Auch das bürgeler Töpferhandwerk war existenziell bedroht.

Mit Unterstützung der Landesregierung wurden aber erste Keramikmanufakturen gegründet. Die Herstellung von so genannter Kunstkeramik – aufwendig dekorierte Ziergefäße, die zum Teil mittels Gipsformen und in mehreren Teilgüssen hergestellt wurden – erschloss neue Märkte. Die Töpferstadt entwickelte ein modernes Profil. Diese Neuorientierung unterstütze die Gründung des »keramischen Museums zu Bürgel«. Es wurde 1880 als Mustersammlung angelegt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwarf Henry van de Velde für Bürgeler Werkstätten neuartige Gefäße. In der Folge entwickelte sich die Töpferstadt zu einem Zentrum der Jugendstil-Keramik. Die Ergebnisse von van de Veldes Bemühen um neue Formen und Farben gehören zu den Glanzstücken des Museumsbestandes.

Neben den großen Betrieben blieben kleine Töpfereien bestehen, die mit traditioneller Geschirrproduktion ihr Auskommen suchten. Sie waren es jedoch, die, unterstützt durch drei Werkstattneugründungen nach der Weltwirtschaftskrise, dem Handwerk zum Fortbestand verhalfen. Mehrfarbige Malhörnchendekore, also mit farbigem Tonschlicker ausgeführte Malereien, erreichten in der Zwischenkriegszeit eine große Blüte.

Die Sammlung

Die Geschichte des Töpferhandwerks in Bürgel wird in übersichtlicher und anschaulicher Ausstellung präsentiert. Sonderausstellungen zeigen die Geschichte einzelner Töpfereien und Manufakturen oder stellen einzelne Keramikerpersönlichkeiten vor. Dabei wird der Blick auch auf andere Töpferzentren in Thüringen und Deutschland gerichtet. Das einzige Spezialmuseum für Keramik in Thüringen entstand bereits 1880 als öffentlich zugängliche Mustersammlung.

Als eines der ältesten Keramikmuseen überhaupt wird insbesondere die 450-jährige Töpfertradition in Bürgel dokumentiert. Darüber hinaus werden ergänzende Sammlungsbereiche zur deutschen und Thüringer Keramikgeschichte vor allem der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie zur Gegenwartskeramik am Beispiel der Wettbewerbe zum Walter-Gebauer-Keramikpreis Bürgel gepflegt. Der kontinuierlich anwachsende Sammlungsbestand umfasst heute etwa 5.000 Inventarnummern. Ein junges Sammlungsgebiet sind Erzeugnisse der Dornburger Keramik-Werkstatt aus allen Nutzungsperioden vom Bauhaus über Otto Lindig bis zu den Körtings.

Sammlung zur Bürgeler Keramikgeschichte

Dieser Sammlungsbereich ist der älteste und umfangreichste. Neben dem weithin bekannten Bürgeler Steinzeug mit der blauen Anwurfglasur wird die gesamte Palette der Irdenware dokumentiert. Dazu gehören zahlreiche Beispiel der vielfältigen Schlickerdekore bis hin zur inzwischen klassischen Blauweiß-Keramik. Dabei wird angestrebt, mit typischen und untypischen Stücken die Produktion aller Werkstätten zu belegen. Schwerpunkte in der Sammlung bilden die über das Alltagsgeschirr hinaus bedeutend gewordenen Werkstätten und Manufakturen, zum Beispiel Carl Gebauer, Eberstein/Hohenstein, C. A. Schack, Carl Fischer, Otto Beyer, Reichmann und Walter Gebauer.

Positionen der Thüringer Keramikgeschichte außerhalb Bürgels

In Thüringen gab es neben Bürgel weitere Zentren der Töpferei. Das Werra-Gebiet ist hier zu nennen, woher ein kleiner Sammlungsbestand stammt, der zu Vergleichszwecken sporadisch ausgebaut wurde.
Systematisch wird zu Thüringer Keramiker/innen und Werkstätten gesammelt, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts existierten und damit wesentliche Positionen der künstlerischen und der Gebrauchskeramik in der DDR besetzten. Hierzu gehören die Körtings in Dornburg, die Saalfelder Künstlergemeinschaft mit Karl Jüttner, Gerhard Dölz, Dietrich Kleinschmidt und Gerda Körting; Römhilder Keramik des Betriebes von Siegfried Gramann, Keramik aus Friedrichroda von Joseph Höhler und Johannes Urban, von Albert Kießling und Ralf Unterstab in Langenhessen, von Kristian Körting aus Saalfeld oder auch Ulli Wittich-Großkurth aus Jena.

Positionen der bundesdeutschen Keramikgeschichte

Ein noch junger und vergleichsweise kleiner Bestand umfasst Dank mehrerer Schenkungen einen repräsentativen Querschnitt aus dem Schaffen der in Deidesheim lebenden Keramikerin Lotte Reimers. Diese Gruppe wird flankiert von weiteren Einzelstücken westdeutscher Keramik von vor 1989 (Aage Birk, Reinhold Rieckmann).

Positionen der Gegenwartskeramik am Beispiel des Walter-Gebauer-Keramikpreises

Seit der ersten Vergabe des Keramikpreises der Stadt Bürgel – heute Walter-Gebauer-Keramikpreis Bürgel – im Jahr 1995 ist es gelungen, alle ausgezeichneten und mit Anerkennungen versehenen Wettbewerbsarbeiten für das Keramik-Museum zu erwerben. Dadurch ist nicht nur eine einmalige Sammlung preisgekrönter Gegenwartskeramik entstanden, sondern großzügige Förderungen erlaubten darüber hinaus die Erwerbung von der jeweiligen Wettbewerbsjury empfohlener Werke. Auf Grund einer besonderen Qualität in der handwerklichen Umsetzung oder wegen origineller gestalterischer Ideen und Dekore sind dadurch weitere Werke in der Sammlung, die eindrucksvoll die Vielgestaltigkeit des heutigen keramischen Schaffens belegen.

Sammlung Dornburger Keramik-Werkstatt

Die Musealisierung der Dornburger Keramik-Werkstatt bedarf der Fundierung durch Exponate, die geeignet sind, die Geschichte des Ortes und seine keramikgeschichtliche Bedeutung zu dokumentieren und auf kennzeichnende Weise anschaulich zu machen. Seit mehreren Jahren wird systematisch am Aufbau einer entsprechenden Sammlung gearbeitet.

Zur Internetseite des Keramik-Museums Bürgel: http://www.keramik-museum-buergel.de



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